Der genialste Passwort-Manager für Linux: pass
Wer unter Linux nach einem sicheren, flexiblen und minimalistischen Passwort-Manager sucht, kommt an pass (dem Standard Unix Password Manager) kaum vorbei. Im Gegensatz zu kommerziellen Cloud-Diensten oder monolithischen Desktop-Anwendungen folgt pass der klassischen Unix-Philosophie: Schreibe Programme, die eine Aufgabe gut erledigen.
In diesem Beitrag zeige ich dir, warum pass so genial ist, und führe dich Schritt für Schritt durch die Installation und Einrichtung auf Ubuntu, Arch Linux und Fedora – komplett anfängertauglich erklärt!
Warum ist pass so genial?
Das Prinzip hinter pass ist extrem simpel und gerade deshalb so sicher und mächtig:
- Keine proprietäre Datenbank: Jedes Passwort wird als einzelne, mit GnuPG (GPG) verschlüsselte Textdatei abgespeichert. Diese Dateien liegen in einer ganz normalen Ordnerstruktur auf deiner Festplatte (standardmäßig in
~/.password-store). - Git-Integration eingebaut: Du kannst deinen Passwort-Speicher mit einem einzigen Befehl als Git-Repository initialisieren. Jede Änderung (Passwort hinzugefügt, geändert, gelöscht) wird automatisch versioniert. Du kannst es auf dein privates GitHub/GitLab-Repository pushen, um es zwischen deinen Geräten zu synchronisieren.
- Volle Kontrolle: Deine Passwörter gehören dir. Es gibt keine Cloud-Firma, die gehackt werden kann, und kein proprietäres Format, aus dem du deine Daten nicht mehr exportieren kannst.
- Erweiterbarkeit: Es gibt geniale Browser-Erweiterungen (wie PassFF für Firefox und Chrome), dmenu/rofi-Skripte für Linux-Window-Manager und hervorragende Smartphone-Apps (wie Password Store für Android und iOS).
Schritt 1: Die Installation
Die Installation von pass ist auf allen großen Linux-Distributionen extrem einfach, da es in den offiziellen Paketquellen enthalten ist. Öffne dein Terminal und führe den passenden Befehl für deine Distribution aus:
Für Ubuntu / Debian / Pop!_OS
Aktualisiere zuerst deine Paketquellen und installiere dann das Paket pass:
sudo apt update
sudo apt install pass
Für Arch Linux / Manjaro / EndeavourOS
Unter Arch kannst du pass direkt über pacman installieren:
sudo pacman -S pass
Für Fedora / Nobara
Unter Fedora nutzt du den Paketmanager dnf:
sudo dnf install pass
Schritt 2: Einen GPG-Schlüssel erstellen (Voraussetzung)
Da pass deine Passwörter mit GnuPG (GPG) verschlüsselt, benötigst du einen GPG-Schlüssel auf deinem System. Wenn du noch keinen hast, ist das gar kein Problem. Wir erstellen jetzt ganz einfach einen.
Gib folgenden Befehl in dein Terminal ein:
gpg --full-generate-key
Das Programm stellt dir nun ein paar Fragen. Für Anfänger empfehlen wir folgende Auswahl:
- Art des Schlüssels: Wähle
1(RSA und RSA) oder drücke einfach Enter für die Standardeinstellung. - Schlüssellänge: Gib
4096ein (das bietet maximale Sicherheit). - Gültigkeit: Drücke Enter (der Schlüssel läuft nie ab) und bestätige mit
y. - Name & E-Mail: Gib deinen echten Namen und deine E-Mail-Adresse ein. Diese Daten werden lokal auf deinem PC mit dem Schlüssel verknüpft.
- Passphrase: Du wirst nun aufgefordert, eine Passphrase (ein sicheres Passwort) für deinen GPG-Schlüssel einzugeben. Wichtig: Dieses Passwort musst du dir gut merken! Es ist dein neues “Master-Passwort”. Jedes Mal, wenn du ein Passwort abrufen willst, entschlüsselt dein GPG-Schlüssel die Datei mithilfe dieser Passphrase.
Nachdem der Schlüssel generiert wurde, zeigt dir das Terminal die Details an. Wir benötigen nun die GPG-Key-ID. Du findest sie in der Ausgabe, sie sieht aus wie eine lange Kette aus Zahlen und Buchstaben. Alternativ kannst du sie jederzeit mit folgendem Befehl anzeigen lassen:
gpg --list-secret-keys --keyid-format LONG
Suche nach der Zeile, die mit sec beginnt. Dort steht etwas wie:
sec rsa4096/ABC123XYZ789 2026-06-09 [SC]
In diesem Fall ist ABC123XYZ789 deine GPG-Key-ID. Kopiere dir diesen Wert.
Schritt 3: Den Passwort-Store initialisieren
Jetzt verknüpfen wir deinen neuen GPG-Schlüssel mit pass. Ersetze DEINE_KEY_ID im folgenden Befehl mit der ID, die du im vorherigen Schritt kopiert hast:
pass init DEINE_KEY_ID
Ergebnis: pass hat nun einen versteckten Ordner unter ~/.password-store angelegt. Ab jetzt ist dein Passwort-Manager einsatzbereit!
Schritt 4: Optionale Git-Versionierung aktivieren (Sehr empfohlen!)
Eines der coolsten Features von pass ist die Git-Anbindung. Damit kannst du jede Änderung protokollieren und deinen Passwort-Store sichern.
Initialisiere Git mit:
pass git init
Ab jetzt wird jedes Mal, wenn du ein Passwort hinzufügst oder änderst, automatisch ein Git-Commit im Hintergrund erstellt. Du kannst später ein Remote-Repository hinzufügen (z. B. auf einem eigenen Server oder einem privaten GitLab/GitHub-Repo):
pass git remote add origin git@github.com:deinname/dein-passwort-repo.git
Und deine Passwörter verschlüsselt dorthin pushen:
pass git push -u origin master
(Da alle Dateien mit deinem privaten GPG-Schlüssel auf deinem PC verschlüsselt werden, bevor sie hochgeladen werden, kann niemand auf GitHub deine Passwörter lesen, selbst wenn sie das Repository sehen könnten!)
Schritt 5: Passwörter verwalten (Spickzettel für den Alltag)
Hier sind die wichtigsten Befehle, die du im Alltag brauchst:
1. Ein neues Passwort hinzufügen
Nehmen wir an, du möchtest dein Passwort für deinen Gmail-Account speichern. Wir können Ordnerstrukturen nutzen, um Ordnung zu halten:
pass insert email/gmail
Du wirst nun aufgefordert, das Passwort einzugeben (und zur Bestätigung noch einmal). Das war’s!
2. Ein sicheres Passwort generieren lassen
Du registrierst dich auf einer neuen Website und brauchst ein starkes Passwort mit z. B. 20 Zeichen? pass erledigt das für dich:
pass generate social/github 20
Das Passwort wird generiert, verschlüsselt abgespeichert und dir im Terminal angezeigt.
3. Alle gespeicherten Passwörter anzeigen (Struktur)
Gib einfach pass ein:
pass
Ausgabe:
Password Store
├── email
│ └── gmail
└── social
└── github
4. Ein Passwort abrufen
Um das Passwort im Terminal anzuzeigen:
pass email/gmail
(Hier wirst du nach der Passphrase deines GPG-Schlüssels gefragt, um die Datei zu entschlüsseln).
Tipp für den Alltag: Wenn du das Passwort nicht im Klartext auf dem Bildschirm anzeigen, sondern direkt in deine Zwischenablage kopieren möchtest (wo es nach 45 Sekunden automatisch wieder gelöscht wird), nutze die Option -c:
pass -c email/gmail
5. Ein Passwort löschen
pass rm email/gmail
Fazit
Herzlichen Glückwunsch! Du hast nun einen der sichersten, flexibelsten und ressourcenschonendsten Passwort-Manager eingerichtet, den es gibt. Durch die Verwendung von GPG-Verschlüsselung und einfachen Dateien hast du die volle Kontrolle über deine sensiblen Daten zurückgewonnen.
Probier als nächsten Schritt am besten die Browser-Erweiterung PassFF aus – damit lassen sich die Logins im Browser genauso komfortabel ausfüllen wie bei Bitwarden oder 1Password, nur eben komplett unter deiner eigenen Flagge.
Viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn du Fragen zur Einrichtung hast, hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreibe mir über das Kontaktformular.
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